Fürther Klang-, deutsche Klagekultur

Konzert vom 19. 07. 2026

SOMMERKONZERT

Die Chorgemeinschaft Alexander Friedrich führte heitere Musik des 16. und 17. Jahrhunderts auf

VON SIGRUN ARENZ

FÜRTH – Die Komponisten der Werke, die an diesem Spätnachmittag auf dem Programm stehen, waren längst verstorben, ehe die klassizistische Fassade des Schlosses Burgfarrnbach zu einem markanten Erkennungszeichen des Ortes wurde. Die Musik alter Meister wie John Dowland oder Orlando di Lasso hingegen ist heute noch lebendig und fasziniert gerade durch ihre Andersartigkeit, ihre Distanz zu modernen Hörgewohnheiten. Im Festsaal des Burgfarrnbacher Schlosses gastierte die Chorgemeinschaft Alexander Friedrich mit ihrem traditionellen Sommerkonzert, das in diesem Jahr eintauchte in die Klangwelt des 16. und 17 Jahrhunderts.

Den Auftakt bildet eine Intrada für die Mitglieder des mitgebrachten Kammerorchesters – eine Musik für das Auftreten „wichtiger und gewichtiger Personen“, wie der Chorleiter augenzwinkernd erklärt: klar, freundlich und feierlich unterlegt von den Schlägen einer kleinen Pauke. Allzu gewichtig geht es während des Konzerts ansonsten nicht zu. Weder das Weinen eines anwesenden Babys noch der eine oder andere Patzer sorgen für schlechte Laune. Selbst als John Dowlands Chorstück über die Kniffe der feinen Damen beim ersten Ablauf kurz eher nach Zwölftonmusik klingt, lässt Friedrich einfach noch einmal ansetzen und kommentiert das nunmehr wieder fest in der Tonwelt der Renaissance verankerte Resultat mit einem trockenen „Geht doch“.

Ein „gemeines“ Instrument

Kurzweilig geht es weiter mit einer Arie für Sopran (klangschön: Andrea Zeilinger), Violinen und Basso continuo, in der die Freuden der Liebe besungen und der Verächter der Liebe als „Ochs und wildes Schwein“ beschimpft wird. „Schöner wird’s nicht“, kommentiert Friedrich im zweiten Teil nicht etwa das Können seiner Sängerinnen und Sänger, sondern den Klang der Drehleier, die in einem Menuet von Michel Corette zum Einsatz kommt. Schnell wird klar, warum John Dowland das eigenartige Instrument als „gemein“ bezeichnete und den niederen Gesellschaftsschichten zuordnete: Mit seinem Klang, der irgendwo zwischen schwachbrüstigem Dudelsack und kratzender Flöte liegt, schafft es eine Tonlandschaft, die markant, aber für zeitgenössische Ohren ungewohnt ungebügelt klingt. Wäre Corettes Menuet eine Eissorte, dann vermutlich etwas mit Basilikum. Oder Safran.

Ganz anders Pierre Certons „Quand j’entend, ein elegisches, langsames Stück, fast ein bisschen zu wohlklingend, um interessant zu sein. Zwischendrin präsentieren Helmut Rupp und Clemens Hafner Stücke für Laute und Gitarre, etwa die Galliard im Dreiertakt, in der sich die Stimmen verfolgen, umeinanderweben und gegenseitig ein- und überholen.

Ein musikalischer Scherz steht gegen Ende auf dem Programm; hinter dem anonymen Komponisten versteckt sich kein anderer als der musikalische Leiter des Abends, so barock die elegischen Streicher und der Generalbass auch zunächst klingen mögen. Mitten hinein in die ernsthafte Musik ertönt der Chor, erst die Frauen-, dann die Männerstimmen, mit einem seufzenden, mehrfach wiederholten „Ach ja“. Deutsche Klagekultur in Reinform, die hier ironisch auf die Schippe genommen wird. Am Ende entlässt die gesamt Belegschaft die Zuhörer mit Bernhard Adam Schertels – ein weiteres Alias für Friedrich – „Der Kuss“ in den Sommerabend.